Trinkwasserhygiene

Trinkwasserhygiene

Mit dem Klassifizierungssystem „WELL“ verbindet die europäische Sanitärarmaturenindustrie ihre Pflicht zu dem ausdrücklichen Hinweis, dass es neben der Nutzung effizienter Armaturen, die helfen, Wasser und Energie zu sparen, grundsätzlich wichtiger ist, dass das Rohrleitungssystem so beschaffen ist, dass die Trinkwassergüte bis zur letzten Entnahmestelle erhalten bleibt. Insoweit sollte der Nutzer wohl beraten sein, sich eines Fachplaners oder Installateurs zu bedienen. Er besitzt die Kompetenz zur Prüfung, ob gerade bei bestehenden Anlagen

  • die Warmwasserbereitung sowie das Kalt- und Warmwasser-Rohrleitungssystem hygienebewusst und energieeffizient gedämmt und betrieben werden,   
  • vermeidbare Stagnation z. B. durch Abtrennung ungenutzter Teilstrecken ausgeschlossen und so  Trinkwasser in geforderter Qualität auch an der letzten Zapfstelle bereitgestellt wird,
  • Entwässerungsgegenstände und Abwasserleitungen den veränderten Betriebsbedingungen durch die neuen Armaturen gerecht werden.

Auch sollte dem Anlagenbetreiber im Zusammenhang mit seiner Zielsetzung nach einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Ressource Wasser unbedingt vermittelt werden, dass der verständliche Wunsch nach Energieeinsparung durch eine generelle Absenkung der Speichertemperatur für das Warmwasser von 60 °C (Solltemperatur) auf z. B. auf 45 °C kontraproduktiv sein kann. Hygienische Probleme (Legionellenwachstum) wären bei diesem Vorgehen vorhersehbar. Hier muss der Grundsatz gelten, Gesundheitsschutz steht vor Energieeinsparung.

Der alternative Einsatz chemischer Dauerdesinfektionsverfahren, um Trinkwasserhygiene auch bei deutlich abgesenkten Warmwassertemperaturen sicherzustellen, wird von Fachleuten eher skeptisch beurteilt. Denn die für die Desinfektion von mit Legionellen kontaminierten Systemen notwendigen Desinfektionskonzentrationen sind in der Regel deutlich höher, als es gemäß Trinkwasserverordnung für eine Anwendung im laufenden Betrieb zulässig wäre. Im übrigen birgt der Einsatz von Desinfektionsmitteln in der Hausinstallation stets die Gefahr in sich, dass bei unsachgemäßer Anwendung (Dosierungsfehler, Systemausfall, Verunreinigungen u .a. m.) auch die Gesundheit des Menschen gefährdet werden kann. Und schließlich liegen über die langfristig sich einstellenden Wechselwirkungen zwischen Desinfektionsmittel, Biofilmen der Hausinstallation und Zustand relevanter Mikroorganismen bislang noch keine umfänglich abgesicherten Erkenntnisse vor.